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Katana 2019 Testbericht

Katana Testbericht

Suzuki startet voll durch und interpretiert das Thema "Retro" auf ganz eigene Weise - während sich nämlich alle anderen Hersteller auf den Stil der 1960er und 70er stürzen, gräbt Suzuki nun erstmals die 80er-Jahre aus und bringt uns die legendäre Katana in Neuauflage zurück. Ein modernes Motorrad, das durchaus das Zeug dazu hat, einen neuen Trend zu setzen!

Die letzten werden die ersten sein - ein Spruch, der mit Weisheit nicht allzu viel zu tun hat, denn mal stimmt er, mal nicht. Manchmal ist es ja ganz offensichtlich und bedarf eigentlich keines wichtigen Spruchs, etwa beim Shuttlebus zum Flieger auf Außenposition: Ja, die letzten, die in den Bus hineingepfercht werden, steigen auch als erste wieder aus. Eine tolle Weisheit. Doch manchmal passt der Spruch doch ganz gut, wie etwa nun bei der Suzuki GSX-S1000S Katana, mit der die Japaner das Thema Retro neu aufrollen.

Suzuki hat lange gezögert – und setzt nun mit der neuen Katana einen Trend

Man kann nur schwer leugnen, dass Suzuki einer jener Hersteller ist, der sehr lange zögert, bis er auf einen Zug aufspringt - immerhin könnte der Zug ja ins Nirgendwo führen und da sind Japaner schon eher vorsichtig. So mancher andere Hersteller ist da viel experimentierfreudiger und springt ganz gerne auf Züge auf, die ins Unbekannte steuern. Und manchmal wird man dafür dann eben belohnt, wie es die Retrowelle nach wie vor beweist. Suzuki war in dieser Sache äußerst zaghaft, außer der überraschend stark an die erste SV650 angelehnten Neuauflage mit Rundscheinwerfer und der daraus entwickelten SV650X, die sich lediglich mit ihrem Cafe Racer-Lenker und gelungen altmodisch wirkender Sitzbank noch weiter in den Retro-Bereich wagte, war da bisher nicht.

Suzuki wagt mit der GSX-S1000S Katana als erster den Schritt zurück in die 1980er

Nun sind die Letzten aber tatsächlich die Ersten, als absoluter Vorreiter wagt es Suzuki mit der neuen Katana nun erstmals, eine Ikone der 1980er wiederaufleben zu lassen. Ob der Plan aufgeht, wissen wir alle noch nicht, aber was die Japaner da auf die Räder gestellt haben, hätte durchaus das Zeug dazu, einen neuen Hype zu starten. Grundlage dafür musste natürlich ein Bike sein, das von Anfang an die Welt bewegte, ich schätze, dass 90 Prozent der Motorradfans die Ur-Katana ultrageil fanden, der Rest fand sie hässlich. Eine gute Basis für eine Stilikone.

 

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Mission Katana erfolgreich abgeschlossen!

Die Kunst war es nun, für die neue Katana die typischen Stilelemente heraus zu arbeiten, ohne eine moderne Formensprache zu verweigern. Wobei die frühe Katana ohnehin ihrer Zeit weit voraus war und es den Designern somit relativ leicht machte. Daher darf die Mission Katana als erfolgreich gewertet werden, man verstrickte sich nicht zu sehr in einer 1:1-Kopie des Originals, sondern lässt eben auch moderne Elemente zum Zug kommen. Allerdings hielten die Designer wie schon beim Original an der betont schlanken Form im Tankbereich fest, was wiederum zu einem eingeschränkten Tankvolumen von nur 12 Litern führt. Das Tankstellennetz sollte also schon alle 200 Kilometer eine Nachfüllung ermöglichen. Da die Katana aber ohnehin nicht unbedingt für Weltreisen in die entlegensten Winkel konzipiert ist, wird es sich vor allem in unseren Breiten gut ausgehen und man hat sogar öfters die Möglichkeit, sein Schmuckstück an der Tankstelle dem begeisterten Publikum zu präsentieren.

Erstaunlich bequeme Sitzposition auf der neuen Suzuki GSX-S1000S Katana

Die Fähigkeit, durch die Optik zu beeindrucken ist bei einem Motorrad aber bekanntlich nur die halbe Miete, das Gerät sollte auch ordentlich Fahrspaß machen - umso mehr überrascht an der GSX-S1000S Katana, dass die Sitzposition sehr entspannt und bequem ausfällt. Die Sitzhöhe steigt gegenüber der Basis, der nackten GSX-S1000 um 10 Millimeter auf 825 Millimeter, was einen richtig angenehmen Kniewinkel bewirkt und der hohe Lenker tut sein Übriges dazu, dass man angenehm aufrecht mit einer leicht sportlichen Neigung nach vorne auf der Katana sitzt. Den hohen Lenker verdanken wir ganz beiläufig der Tatsache, dass es die Suzuki-Ingenieure nicht wagen wollten, der Katana einen noch geringeren Einschlag als bei der GSX-R1000 zu gönnen. Daher wirkt der hohe Lenker beim ersten persönlichen Rendezvous mit der Katana ungewohnt hoch, passt aber im Endeffekt zu dieser gelungenen Neuinterpretation eines Klassikers aus den 80er-Jahren.

Ein Vierzylinder-Triebwerk der alten Schule – optimal für die neue Katana

Als restliche Basis dient, wie schon erwähnt die GSX-S1000, deren 999 Kubik großer Reihen-Vierzylinder auch bestens in die Katana passt. Ein souveräner, kräftiger Antritt von unten und eine bauchige Mitte sind die Stärken dieses Triebwerks, das von der legendären Suzuki GSX-R1000 der K5-Baureihe abstammt. Als Superbike-Motor macht er natürlich auch im oberen Drehzahlbereich Spaß, zumal die Spitzenleistung von 150 PS bei 10.000 Touren und das maximale Drehmoment von 108 Newtonmeter bei 9500 Umdrehungen anstehen. Die Nutzung der Power im unteren und mittleren Bereich macht aber nicht minder Spaß auf der doch komfortorientierteren GSX-S1000S Katana.

Die Suzuki GSX-S1000S Katana erlangt schnell das Vertrauen des Fahrers

Auch das Thema der etwas aggressiven Gasannahme bei der GSX-S1000 nahmen sich die Techniker bei der Katana vor, da dieses Modell noch nicht über Ride-by-Wire verfügt, ließen sich die findigen Ingenieure einfach eine mechanische Lösung einfallen, die den Gasgriff progressiv anlenkt und so ein harmonischeres Ansprechverhalten erzeugt. Nun, ganz zahm und sanft ist damit der Antritt auch bei der Katana nicht geworden, aber das entspricht durchaus dem sportlichen Anspruch, den dieses Modell hat. Denn auch das Handling und die Fahrwerksabstimmung erlauben flottes Andrücken, ohne dabei den nötigen Komfort zu vergessen. Es ist einfach alles sehr präzise, ohne etwaiges Einkippen oder Unruhe im Fahrwerk - wie man es eben von einem japanischen Motorrad, im Speziellen von einer Suzuki erwartet und erwarten darf. Selbst der dicke 190er-Hinterreifen schafft es nach wenigen Metern, das Vertrauen des Fahrers zu erlangen und erlaubt damit eine gelungene Kurvendynamik. Woran, wie schon erwähnt, auch der relativ breite, optimal positionierte Lenker seinen Anteil hat.

Überschaubare Elektronik-Features an der neuen Suzuki GSX-S1000S Katana

Das Thema Elektronik ist, anders als bei vielen anderen Herstellern, recht schnell abgehandelt, ein herkömmliches ABS und eine dreifach verstellbare, sowie komplett abschaltbare Traktionskontrolle sind mit an Bord. Letztere hatte ich während der ersten Auffahrt auf der abgesperrten Bergstraße nahe Kyoto noch abgeschaltet (nicht absichtlich, wenn ich den erwische, der sie deaktiviert hat...), konnte aber selbst auf nasser Fahrbahn heftig ans Gas gehen, ohne dass die Reifen Schwächen gezeigt hätten. Somit auch ein Lob an Dunlop für den neuen Roadsport 2, der sich gekonnt zwischen dem tourenorientierten Roadsmart 3 und dem sportlicheren Sportsmart positioniert. Warum ein völlig neuer Reifen gleich vom Start weg als 2. Version benannt wird, ist allerdings kein Marketing-Schmäh, sondern liegt schlicht und ergreifend daran, dass es den Roadsport in Japan und den USA bereits gab und die zweite, verbesserte Version nun auch zu uns nach Europa kommt.

Die neue Suzuki GSX-S1000S Katana mit der Bremspower der aktuellen GSX-R1000

Rein gar nichts zu meckern gibt es auch an den Bremsen, die beiden 310er-Scheiben an der Front verfügen über radiale Vierkolben-Monoblockzangen von Brembo - die gleichen, die auch auf der aktuellen GSX-R1000 ihren Dienst verrichten. Aber keine Angst, die Anlage ist weit entfernt von brachialer Wirkung und glänzt stattdessen mit bester Dosierbarkeit und ordentlicher Wirkung. Es geht aber doch noch besser, zwar nicht in Sachen Wirkung aber in Sachen Optik – als Zubehör für die neue Katana können rote Brembo-Zangen geordert werden, die im Zusammenspiel mit einigen anderen Möglichkeiten, die Katana noch hübscher zu machen, richtig gut zur Geltung kommen. Wer im Übrigen eher auf einen verwegenen Auftritt steht, kann die Katana nicht nur im klassischen Silber, sondern auch in Schwarz ordern.

Mit dem coolen Look der neuen Katana kann die nackte Schwester nicht mithalten

Insgesamt muss man Suzuki gratulieren, die erste Interpretation eines Retro-Bikes im Stil der 1980er-Jahre ist absolut gelungen – sowohl technisch als auch optisch. Als Stilikone könnte die Katana sogar einen neuen Trend starten. Die Preisgestaltung hebt sich daher auch deutlich von der Basis GSX-S1000 ab, mit 13.690 Euro in Deutschland, 15.990 Euro in Österreich und 15.495 Franken in der Schweiz rangiert sie in Deutschland knapp 1300 Euro, in der Schweiz 1000 Franken und in Österreich sogar 1500 Euro über der nackten Schwester GSX-S1000, die allerdings nicht ansatzweise mit dem coolen Look der neuen Katana mithalten kann.

Fazit: Suzuki GSX-S1000S Katana

Gleich vorweg, die neue Suzuki GSX-S1000S Katana basiert auf der nackten GSX-S1000 und überzeugt daher in all ihrer Qualität und ihren inneren Werten einer typischen japanischen Maschine. Die Katana hat zusätzlich optisch das Zeug zum Klassiker, immerhin ist sie die erste, die den Stil der 1980er-Jahre aufgreift. Die Sitzposition ist erstaunlich bequem und der hohe Lenker erlaubt eine angenehme Kontrolle. Mit ihrer niedrigen Frontverkleidung wird sie zwar nicht zu einer ausgeprägten Tourenmaschine, geht aber durchaus als Crossover-Bike durch, das die Bereiche Retro, Naked und Touring ausgezeichnet miteinander verbindet.

Vorteile

  • Kräftiger und souveränder Reihen-Vierzylindermotor
  • absolut eigenständige Optik
  • bequeme Sitzposition
  • einfaches Handling
  • dreifach verstellbare Traktionskontrolle
  • super Bremsanlage

Nachteile

  • Wenig Elektronik-Features
  • relativ hoher Preis gegenüber der Basis GSX-S1000

 

Quelle: 1000ps.at

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